„Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung ...“

(Heraklit)

 

Vielleicht haben Sie dieses Zitat schon einmal gehört oder sich aus einem anderen Anlass mit dem Paradoxon von Beständigkeit & Wandel beschäftigt?

Es ist eigentlich ganz simpel: niemand kann dem Gesetz der Veränderung entkommen. Veränderung ist allgegenwärtig und der natürlichste, fundamentalste und unausweichlichste Prozess allen Lebens auf dieser Welt.

Wir könnten also „einfach“ beschließen, die uns zu Verfügung stehende Zeit zu nutzen, um Erfahrungen sammeln und uns im Rahmen unserer Möglichkeiten und Grenzen zu entwickeln. Wir könnten uns für Offenheit entscheiden, ohne Vorstellungen davon leben, was als nächstes passieren mag und die grundsätzliche Bereitschaft in uns kultivieren, einen Umgang mit all dem zu finden, was das Leben uns an Möglichkeiten und Herausforderungen serviert.

In der Praxis tut dies so gut wie niemand.

Stattdessen wünscht sich ein Teil in uns allen beständig, dass die Dinge - zumindest die schönen und angenehmen - für immer so bleiben mögen, wie sie sind, während ein anderer parallel mit dem vermeintlich immer gleichen Trott unseres individuellen Hamsterrades ringt. Paradox.

 

 

Vergänglichkeit ist ein Thema, dass uns mit unserer Endlichkeit in Kontakt bringt und unser Wissen um die Begrenztheit der uns zur Verfügung stehenden Zeit ist ein fundamentaler Motor der Evolution.

Statt uns jedoch auf diesen „Tanz des Lebens“ einzulassen, weichen wir nur allzu oft aus und verhalten uns auf die ein oder andere Art so, als wären wir a) unsterblich oder b) längst tot:

Wir wollen für die Unwägbarkeiten des Lebens gewappnet sein, wollen lernen und wachsen, doch fürchten zugleich nichts mehr, als den Fehler und das Scheitern. Wir suchen Liebe, doch folgen der Angst. Wir wünschen uns Veränderung, doch wählen den Stillstand. Wir wünschen uns Nachhaltigkeit für unsere Kinder, doch verbrauchen zugleich mehr, als uns zur Verfügung steht.

Wir investieren und opfern so viel, um Dinge anzuhäufen, die wir viel zu oft viel zu wenig genießen und ganz sicher nicht mitnehmen können. Und wir konservieren unsere zwischenmenschlichen Beziehungen - bevorzugt in Form von Routinen und Ritualen - anstatt sie frei & unkontrolliert leben, atmen und sich entwickeln zu lassen.

 

 

Ein trivialer Ausdruck des steten Kampfes gegen das empfundene Chaos der Veränderung ist in diesen goldenen Herbsttagen an nicht wenigen Straßenecken zu beobachten. Immer wieder sieht man sie dort, die Don Quijotes des sauberen Gehwegs:

Menschen, die sich mit Besen, Rechen oder Laubbläsern geräuschvoll abmühen, um der bunten Blätter Herr zu werden, sie zusammenzutreiben und anschließend ordnungsgemäß in Sicherheitsverwahrung zu überführen. Dort verbleiben sie, im güstigsten Fall dauerhaft in einem Laubkomposter, oft jedoch nur in Form eines Laubhaufens bis zum nächsten kräftigen Windstoß.

 

Dann beginnt das Spiel von Neuem ... und parallel segeln beständig weiter Blätter von den Ästen herab.

 

Manch einer mag durchaus Sinn in dem ganzen Unterfangen sehen, denn der Gehweg wirkt anschließend aus einem gewissen Blickwinkel tatsächlich sauberer und ordentlicher. Die Gefahr, auf einem Blatt auszurutschen, wurde erfolgreich reduziert, Gullis vor potentieller Verstopfung bewahrt und ganz nebenbei hat man auch noch ein kleines Fitnessprogramm an der frischen Luft absolviert.

Je nach körperlicher und mentaler Verfassung fühlt man sich am Ende seiner selbst gewählten Sisyphos-Mission theoretisch sogar wacher, energiegeladener und beweglicher. (Nicht selten jedoch klagt man in der Praxis eher über Erschöpfung, muskuläre Verspannung, sowie Rücken-, Schulter- oder Kniebeschwerden. Aber das ist ein anderes Thema ... oder?!)

Andere mögen dem Kampf gegen das Blättermeer entgegen halten, dass das ganze Unterfangen - zumindest im Fall motorisierter Laubbläser - der Umwelt schadet und die Mitmenschen zudem mit Lärm und Gestank belästigt. Vor allem aber, dass es eine völlig unnötige Verschwendung von Zeit und Energie darstellt:

Die Natur lässt sich nicht zähmen und warum sollte man es überhaupt versuchen? Blätter fallen nun einmal, wie Kinder mühelos und mit anhaltender Begeisterung feststellen, jeden Herbst in unüberschaubar großer Zahl (alleine 500.000 von einer einzelnen, hundertjährigen Buche) und Vielfalt von den Bäumen. Kunterbunt gefärbt und jedes ein klein wenig anders in Form und Beschaffenheit.

Pilze und Bakterien schreiten umgehend zur Tat und zersetzen das Material spätestens bis zum Wintereinbruch - also warum sollte man sich überhaupt daran stören?

 

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Abseits persönlicher Bewertungen bietet sich noch eine weitere Perspektive, denn der andauernde Blätterregen symbolisiert zugleich den sinnlichen Höhepunkt des Jahres - die zyklische Veränderung von Sommer zu Winter und von Leben zu Tod. Der Herbst ist somit natürlicher Ausdruck des eingangs beschriebenen Prinzips und birgt das Potential, uns sowohl an die Grenzen unseres Menschseins, als auch an die vielfältigen Chancen des Neubeginns zu erinnern.

 

Das Wechselspiel mit dem Wind, welcher die Blätter umher wirbelt.

 

Das Wechselspiel mit der Sonne, die sie leuchten und aus jedem Winkel etwas anders gefärbt erscheinen lässt.

 

Eine wahre Pracht für jene, die sich dafür entscheiden, diesen Blickwinkel einzunehmen - und ein offenkundiges Ärgernis für jene, die primär eine Störung der Ordnung, Funktionalität und des gepflegten Eindrucks darin sehen.

Ein Naturereignis in jedem Fall, welches uns unmerklich damit in Kontakt bringt, dass alles Leben unweigerlich dem Gesetz des permanenten Wandels unterworfen ist und uns als nächstes die winterliche Phase des Rückzugs, des Verharrens und Überdauerns bevor steht. Die Phase der großen Kontraste zwischen Behaglichkeit, Nähe und Wärme einerseits, sowie Kälte, Entbehrung und Rutschgefahr auf der anderen.

 

Die ungewisse Zwangspause vor all den möglichen Neuanfängen ...

 

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Welcher Blickwinkel ist dem Ihren näher und wie geht es Ihnen damit in diesen herbstlichen Tagen?

 

Kämpfen sie tendenziell gegen Veränderung an oder sind sie bereit und in der Lage, den steten Wandel aller Dinge als grundsätzliches Prinzip anzuerkennen?

 

Sehen Sie einen Sinn darin, sich in einem gelingenden, bejahenden Umgang mit all dem zu üben, was Ihnen das Leben tagtäglich ungefragt und außerhalb Ihrer Kontrolle serviert?

 

Glauben Sie, dass Ihr Denken, Ihre Entscheidungen und Ihre Einstellung einen Einfluss darauf haben, wie es Ihnen geht? Dass eine Vielzahl dieser Meinungen & Blickwinkel verborgen in uns ein Eigenleben führen, von dem wir nur gelegentlich und oft nur indirekt etwas mitbekommen?

 

Glauben Sie, dass Ihr Blickwinkel auf die Welt und ihre beständigen Veränderungsprozesse ausschließlich Auswirkungen auf Ihr Empfinden hat oder besteht möglicherweise ein größerer Zusammenhang zwischen Denken, Fühlen und körperlichem Funktionieren, als man für gewöhnlich annimmt?

 

Ich lade Sie herzlich dazu ein, gemeinsam mit mir herauszufinden, wie Sie individuell mit Veränderung umgehen und wie Sie von einem anderen Umgang damit profitieren könnten ...