Sitzen Sie auch gerade, während Sie diesen Artikel lesen?

Falls ja, haben Sie sich je gefragt, worauf genau Sie sitzen?

 

Viele Menschen würden an dieser Stelle antworten, dass Sie selbstverständlich auf Ihrem Hinterteil sitzen.

 

Doch spüren Sie ruhig einmal genauer hin. Fühlen sich Ihr Sitzuntergrund und der Teil Ihres Körpers, der damit in Kontakt ist „weich auf weich“, „weich auf hart“ oder „hart auf hart“ an?

 

Im ersten Fall („weich auf weich“) geht es Ihnen vermutlich wie den meisten Menschen: Sie sitzen mit Ihren Gesäßmuskeln und nach hinten gekipptem Becken auf einem weich gepolsterten Stuhl oder Sofa (und falls Sie sich an Ihrem Arbeitsplatz befinden, haben sie möglicherweise viel Geld für einen vermeintlich ergonomisch günstigen Stuhl ausgegeben). Möglicherweise spüren Sie zudem den Kontakt Ihres Steißbeins mit der Unterlage.

Im zweiten Fall („weich auf hart“) sitzen Sie höchstwahrscheinlich auf die gleiche Art und Weise, jedoch auf einer harten Fläche - vielleicht einer Bank oder einem Holzstuhl.

In beiden Fällen dürften sie ihr Sitzen auf Dauer als anstrengend und ermüdend empfinden und Ihr Körper wird Ihnen diesen Zustand höchstwahrscheinlich früher oder später mit Unwohlsein oder Schmerz quittieren.

 

 

In Fall 3 („hart auf hart“) sitzen Sie so wie ich im Moment. Sie sitzen so, wie es ein kleines Kind intuitiv tun würde und so, wie wir alle sitzen sollten, sofern wir vorhaben, längere Zeit in diesem Zustand zu verbringen und dabei trotzdem gesund und schmerzfrei bleiben möchten.

Sie sitzen nicht auf Ihren Gesäßmuskeln und Ihrem Steißbein, sind nicht im unteren Rücken kollabiert, Ihr Becken ist nicht nach hinten gekippt und Ihre Wirbelsäule nebst darauf sitzendem Schädel befindet sich infolge nicht in einem unbalancierten Zustand, welchen Sie mit unausgewogenem und übermäßigem Muskelaufwand des gesamten Körpers halten müssen.

Stattdessen sitzen Sie balancierend auf Ihren Sitzbeinhöckern:

 

 

Sitzbeinhöcker sind der unterste Teil unseres Beckens und entgegen der weit verbreiteten Vorstellung, wir würden auf unseren Oberschenkel(knoche)n sitzen, unser tatsächlicher Kontaktpunkt zum Untergrund.

 

Schieben Sie ruhig einmal Ihre Händen unter Ihr Gesäß, ertasten Sie die Sitzbeinhöcker und klären Sie für sich selbst, ob Sie tatsächlich gewohnheitsmäßig darauf balancieren oder vielleicht doch eher nach hinten und unten kollabieren?

 

Wenn unsere Sitzfläche nämlich hart genug und im Kontakt mit den Sitzhöckern ist, dann ähnelt das Gefühl einem Schaukelstuhl, der nach vorne und hinten mühelos beweglich ist. Die erste gute Nachricht daran ist, dass Sie keinen teuren, ergonomischen Stuhl brauchen, um gesund zu sitzen. Ein ganz einfacher Holzstuhl mit gerader Sitzfläche ist nicht nur völlig ausreichend, sondern sogar ziemlich ideal: Unser Becken kann sich von hartem Untergrund aus in Wechselwirkung mit der Schwerkraft aufrichten, unser Steißbein "schwebt" in der Luft, unsere Wirbelsäule kann lang, sprungfederartig und dynamisch sein und unser Kopf obenauf frei & gelöst jede beliebige Bewegung anführen. Unsere Arme sind leicht, beweglich und wer so sitzt oder arbeitet, hat in der Regel keine Probleme mit Sehnen, Schultern oder übermäßiger Spannung in Nacken & Rücken.

Unsere Sitzhöcker erfüllen in diesem Wechselspiel simpel gesagt eine ähnliche Funktion, wie es unsere Füße im Stehen tun.

 

 

Sobald diese komplexe Wechselbeziehung zwischen Untergrund, Becken, Wirbelsäule, Kopf und Rücken gegeben ist, können auch unsere Fersen mühelos zum Boden sinken und unsere Hüftgelenke loslassen. Derart „entkoppelt“ können unsere Beine als dynamisches Gegengewicht für Rumpf und Arme fungieren. Streck- & Aufrichtungsreflexe unseres Körpers können auf dieser Basis ungestört arbeiten und einen ganzheitlichen Muskeltonus aktivieren, welcher uns maximale Effizienz bei minimalem Kraftaufwand beschert. Wir sind leistungsfähig, wach, klar, präsent, energiegeladen und in höchstem Maße feinmotorisch. Sitzen ist in diesem „Modus“ eine absolut mühelose Selbstverständlichkeit, auch über längere Zeiträume.

 

Falls Sie jetzt denken, dass das ganz schön kompliziert klingt, dann haben sie Recht -

und wir haben mit meiner Darstellung bisher nur an der Oberfläche gekratzt!

 

Tatsächlich ist unser gesamtes Aufrichtungs- & Balancesystem derart komplex, dass wir diesen Zustand nicht machen können. Wir können die zahllosen Wechselbeziehungen nicht direkt steuern oder aktivieren, wir erreichen sie nicht durch Kraft- oder Beweglichkeitstraining, nicht indem wir darauf achten, Gelenk über Gelenk zu "stapeln" und schon gar nicht, indem wir versuchen, uns gut und aufrecht zu halten. Keine Übung und kein Training dieser Welt befähigen uns, auf diese Art zu sitzen!

 

Doch jetzt kommt die zweite gute Nachricht:

DAS MÜSSEN WIR AUCH ÜBERHAUPT NICHT!

 

Die beschriebenen Mechanismen sind evolutionär in uns angelegt und jedes Kleinkind sitzt völlig selbstverständlich auf diese Art und Weise. Das „Einzige“, was wir tun müssen, um es dem Kind gleichzutun, ist damit aufzuhören, unser System zu stören. F.M. Alexander erkannte in diesem Zusammenhang brilliant und absolut zutreffend:

 

„Wenn wir aufhören, das Falsche zu tun, dann geschieht das Richtige ganz von selbst“

 

Doch was ist das Falsche? Kurz: unsere Gewohnheiten, die Art wie wir uns halten, wie wir mit uns selbst umgehen und wie wir denken. Es sind unsere unbewussten Muster und Konzepte, die uns im Weg stehen - nicht nur hinsichtlich etwas derart simplem wie Sitzen, sondern auch hinsichtlich der gesamten uns umgebenden Welt und unserer Wechselbeziehung dazu.

 

Und wie können wir das ändern?

 

Indem wir lernen, unsere Muster zu erkennen (Sie erinnern sich daran, dass Gewohnheiten dazu neigen, uns wie unsichtbar zu erscheinen?) und daran zu arbeiten. F.M. Alexander nannte diesen Weg „conscious constructive control of the individual“, die bewusste, konstruktive Steuerung unseres Selbst.

Die Alexander-Technik ist also ein Weg, der uns einen neuen Modus operandi eröffnet, eine neue Art, die Dinge anzugehen - müheloser, freier, präsenter, leichter, leistungsfähiger und gesünder. Ein Weg, bei dem Sie selbst stets entscheiden, wie weit, wie intensiv und zu welchem Zweck Sie ihn gehen möchten.

 

Beispielsweise um zu lernen, wie man mühelos sitzt, ohne anschließend unter Rückenschmerzen zu leiden.

 

Es ist eine Methodik, die uns lehrt, unser Denken & Tun mit Hinblick auf jede x-beliebige Tätigkeit anzupassen, zu verändern, weiterzuentwickeln und die Plastizität unseres Gehirns auf konstruktive Art zu nutzen.

So können wir alte Gewohnheiten schrittweise durchbrechen und zunehmend andere Bahnen etablieren. Wir tauchen ein in einen Prozess neuromuskulären Umlernens, der uns in zunehmendem Maße und mit stetig feiner werdender Qualität immer neue Möglichkeiten eröffnet. Möglichkeiten, wie wir die Aufgaben und Themen in unserem Leben grundlegend anders angehen können. Wie wir uns unnötige Mühen ersparen und immer effizienter und zugleich gelassener mit unseren Aufgaben und Interessen umgehen können.

 

Ich freue mich darauf, Ihnen zu zeigen, wie das Ganze funktioniert und Sie auf Ihrem individuellen Weg zu begleiten ...

 

Sind Sie neugierig??