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In der Alexander-Technik beschäftigen wir uns unter anderem mit der Qualität unseres eigenen Denkens. Ich kann mich noch recht gut daran erinnern, was ich dachte, als ich erwog, meine ersten AT-Stunden zu nehmen.

Meine Diagnose lautete seinerzeit „Repetitive Strain Injury-Syndrome infolge zu intensiven Musizierens“ und äußerte sich in stechenden Schmerzen und einem zunehmenden Taubheitsgefühl in meiner linken Hand, den Fingerspitzen und dem zugehörigen Arm.

Ärzte schauten mich in gepflegter Regelmäßigkeit besorgt an, potentielle Berufsunfähigkeit wurde mir in Aussicht gestellt und die Möglichkeiten chirurgischer Eingriffe diskutiert. Ich war 33 Jahre alt, im zweiten Berufsjahr meiner Selbstständigkeit und im Angesicht dieser Perspektiven nachvollziehbarerweise sehr besorgt um meine Zukunft ...


Mein erster Alexander-Lehrer veranschlagte 50€ pro Sitzung, was mir, vor allem als Berufsanfänger mit geringem Einkommen, zunächst recht teuer erschien. Besonders, da ich davon überzeugt war, dass sich meine Probleme nicht binnen einer einzelnen Stunde in Wohlgefallen auflösen würden.

Ich war es bislang zwar gewohnt gewesen, deutlich höhere Summen für Musik, Instrumente, Equipment, Konzerte, Elektronik, Computerzubehör, Wellness-Wochenenden, Massagen, Candlelight-Dinner oder Urlaube auszugeben, doch 500€ (für „vorerst zehn Stunden“) in eine mir unbekannte und nicht wirklich greifbare „Technik“ mit ungewissem Ergebnis zu investieren - das kam mir vorsichtig vormuliert schon etwas gewagt vor.

Zum einen, weil ich doch krankenversichert war und es mir völlig fremdartig und falsch erschien, für meine eigene Gesundheit in die eigene Tasche greifen zu müssen. Dafür war doch schließlich meine Krankenkasse da, oder?!

Ehrlich gesagt aber auch, weil ein Teil von mir klar und sachlich abwog, wie hart ich für das Geld gearbeitet hatte und was ich mir stattdessen davon kaufen könnte.

Glücklicherweise entschloss ich mich, das Honorar zu zahlen und der Alexander-Technik eine Chance zu geben. Ich wurde meine Beschwerden vergleichsweise rasch und dauerhaft los und profitiere bis zum heutigen Tag auf weitaus mehr Ebenen von dieser Entscheidung, als ich damals geahnt hätte. Doch das soll heute nicht Thema dieses Blogs sein.

Zentraler ist für mich die Tatsache, dass ich mit meiner Entscheidung, ohne es zunächst überhaupt zu bemerken, indirekt eine ganz andere Frage in mir anstieß:

 

Die Frage nach dem Wert von Dingen in Bezug auf mich selbst.

 

 

Machen wir Menschen in unserem Denken eigentlich einen Unterschied zwischen materiellen und immateriellen Gütern und wenn ja, in welcher konkreten Form?

Offensichtlich stellten für mich persönlich eine neue Grafikkarte, ein neues Handy oder eine neue Gitarre seit jeher unstrittige Werte dar - und warum auch nicht? Diese Dinge standen mir ab dem Kauf in meinen eigenen vier Wänden zur Verfügung, waren greifbar, nutzbar und gaben mir zudem das Gefühl, zeitgemäß und/oder hochwertig ausgestattet zu sein.  Für diese Qualitäten war ich durchaus bereit, tief in die eigene Tasche zu greifen.

Immaterielle Dinge folgten da schon einer ganz anderen Logik: Wenn das Geld übrig war (was auch immer das bedeutet?) und ein klarer Erholungs- oder Genusswert erkennbar, dann waren auch diese Investitionen für mich legitim.

Innerlich verbuchte ich das Ganze wohl unter „Lebensqualität“. Die mit Geld erworbenen Momente oder Phasen des Wohlbefindens waren zwar flüchtig, aber sie fielen immerhin in die Kategorie "Was Menschen tun, um anschließend darauf zurück zu blicken und sagen zu können: Ich hab’s mir gut gehen lassen!“.

Ich meine, selbstverständlich kann ein Strandurlaub etwas sehr schönes sein, ebenso wie die Massage im Schwarzwald-Wellness-Tempel oder das leckere Abendessen beim Italiener, doch sind diese Events wirklich Ausdruck echter innerer Wertigkeit? Vollzog ich den Tauschhandel „Geld gegen Dienstleistung“ wirklich mit Hinblick darauf, mir selbst nachhaltig etwas Gutes zu tun?

Oder ging es mir nicht viel eher darum, auch hier etwas „Greifbares“ zurück zu behalten - sei es in Form eines hübschen Erinnerungsfotos aus dem Urlaub, einer Hotel- oder Restaurantempfehlung beim nächsten Gespräch mit Freunden oder dem beruhigenden Gefühl, in Form einer Massage oder eines Saunabesuches passiv konsumierend doch irgendwie „etwas für mich getan zu haben“?

Desweiteren: wenn ich zwar grundsätzlich bereit war, in mein Wohlergehen zu investieren, warum zögerte ich dann trotzdem hinsichtlich der Wertigkeit der Alexander-Technik und der sich mir hier bietenden Möglichkeit, nachhaltige Lösungen für meine Probleme zu finden?

Warum machte ich mir die Entscheidung so schwer, Zeit & Geld zu investieren, um - wie ich vorab in Erfahrung gebracht hatte - mich selbst besser in meinem gewohnheitsmäßigen Tun zu erkennen, mich unterweisen zu lassen und am Ende hoffentlich gesünder, klarer und leistungsfähiger dazustehen als vorher?

Natürlich war mir bewusst, dass die Welt voller Halbwissen und Scharlatanerie ist, doch meine Recherchen zur Alexander-Technik bestätigten von Anfang an immer wieder das Gegenteil: dass diese Arbeit zwar vergleichsweise wenig bekannt, aber doch einer langjährigen Tradition folgend, seriös, in sich schlüssig und vor allem in diversen Studien immer wieder wissenschaftlich und medizinisch bestätigt worden ist. Zahlreiche Personen des öffentlichen Lebens schworen darauf. Also warum dieses Zögern?

Was war das überhaupt - ein guter Selbstgebrauch, wie F.M. Alexander es in seinen Büchern nannte - und warum klang das in meinen Ohren zunächst eher trocken und nach Verzicht, als nach Abenteuer und Entdeckungsreise?

 

Vielleicht, weil es ja nur um mich ging? Ich kannte mich schließlich ein ganzes Leben lang - was sollte es da schon Aufregendes zu entdecken geben?

 

Wie sehr man sich doch irren kann ... (Fortsetzung folgt)

 

 

Wie wichtig ist Ihnen Ihr eigenes Wohlergehen?

 

Unter welchen Umständen sind Sie bereit, in sich selbst zu investieren?

 

Wie gut kennen Sie sich und Ihre inneren Motive?

 

Welche Vorstellungen haben Sie von der Alexander-Technik und deren Potential, Ihr Leben zu verändern?

 

Sind Sie offen dafür herauszufinden, ob Sie richtig liegen?